Bundesjugendspiele 2019

Shafiq Iqbali (6c) beim Weitsprung
Shafiq Iqbali (6c) beim Weitsprung

Shafiq Iqbali steht mit konzentrierter Miene am roten Starthütchen. Gleich wird er mit dem Anlauf zum Sprung in die Sandgrube beginnen. Er sprintet los. Kurz vor dem Absprung beschleunigt er noch einmal, um nur wenige Zehntelsekunden später in die erste Absprungphase überzuleiten.

Das rechte Schwungbein schwingt lehrbuchmäßig zuerst nach oben und zeitgleich drückt er sich mit dem linken Fuß explosionsartig vom Boden ab. Dann hebt er ab. Nach 4,84 Meter ist der Flug zu Ende. Bestleistung bis zu diesem Zeitpunkt! Erst sehr viel später wird die Weite von einem Schüler aus einer 9. Jahrgangsstufe übertroffen. Eine sehr beachtliche Leistung für einen vierzehnjährigen Jugendlichen, der Leichtathletik nicht als Vereinssport betreibt. Auch in den anderen Disziplinen kann Shafiq überzeugen. 51 Meter im Ballweitwurf, 10,6 Sekunden beim 75-Meter Sprint und für die 800 Meter braucht er 4:05 Minuten.

Eine Ehrenurkunde ist ihm damit sicher.

 

Außer Shafiq gingen am 17. und 18.06. rund 700 Schülerinnen und Schüler der Ernst Reuter Schule, bei den Bundesjugendspielen an den Start. Bei strahlendem Sonnenschein und 28 Grad zeigten viele Schülerinnen und Schüler Ehrgeiz und vollen Einsatz, um Punkte für eine begehrte Sieger- oder Ehrenurkunde zu sammeln.

 

Shafiq ist mit seinen Leistungen zufrieden und findet die Bundesjugendspiele großartig. Eine vergleichbare Veranstaltung gab es in seiner alten Heimat Afghanistan, aus der er vor vier Jahren als Flüchtling gekommen ist, nicht. In Offenbach fühlt er sich wohl und hat Anschluss gefunden.

"In Deutschland hat man viel mehr Möglichkeiten und das Leben ist sicherer."

In seiner Freizeit ist er sehr sportlich unterwegs. Er geht regelmäßig joggen und trainiert Budo, eine japanische Kampfkunst. Vor wenigen Tagen konnte Shafiq erfolgreich die Prüfung über den gelben Gürtel ablegen. Er hätte allerdings auch Interesse einmal in einen richtigen Leichtathletik Verein einzutreten. Das nötige Talent dazu hat er auf jeden Fall.

 

Im Gespräch mit Shafiq berichtet er mir auch von seinem Sportunterricht in Afghanistan.

"In Afghanistan war der Sportunterricht nicht so interessant wie in Offenbach. Meistens haben die Lehrer dort nur einen Ball rein geworfen und wir durften machen was wir wollten. Der Sportunterricht fand fast immer draußen statt, da die Sporthalle meistens nicht zur Verfügung stand und für andere Zwecke genutzt wurde."

 

Auch das Notensystem ist in Afghanistan komplett anders als in Deutschland.

"In Afghanistan gab es 40 Punkte im ersten Halbjahr und 60 Punkte im zweiten Halbjahr zu erreichen, insgesamt also 100 Punkte."

 

Shafiq freut sich jetzt auf die bald beginnenden Sommerferien. In Afghanistan gibt es im Übrigen nur zwei Wochen Sommerferien, dafür haben die Schülerinnen und Schüler drei Monate Winterferien.